Bildhauerische Werke prägen den Charakter des Hauses Beda. Sie finden sich überall, insbesondere im Garten, im 1. Obergeschoss und Atrium. Die Skulpturen spiegeln verschiedene Zeitspannen: Antike, Mittelalter, Renaissance, Barock, Klassizismus und Moderne. Auch zeitgenössische Exponate sind vertreten. Dabei stehen Originale und Reproduktionen berühmter Bildwerke im Atrium des Hauses Beda gleichwertig nebeneinander. Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung wird in der Ausstellung Gips Bronze Kunst die vom Stifter zusammengetragene Sammlung bildhauerischer Arbeiten unter Berücksichtigung kunsthistorischer Zusammenhänge im renovierten Atrium des Hauses Beda neu präsentiert. Unter den plastischen Replikaten befinden sich neben einigen Bronzen eine Reihe von Gipsabgüssen. Diese stammen fast ausschließlich von der Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin. Anhand von zusätzlichen Leihgaben dieser 200 Jahre alten Kunstmanufaktur, darunter einige Werkzeuge, mit denen die Gipsplastiken entstehen, wird gezeigt, wie genau die Abformungen das Original wiedergeben. Die in Handarbeit mit alten Formen hergestellten Kunstkopien haben wie die ursprünglichen Originale ihre eigene
Physis und Wirkungsgeschichte.
Ausstellung in der Neuen Galerie
Ergänzend zum neu inszenierten bildhauerischen Bestand des Hauses Beda präsentieren wir fünf Künstlerinnen, die auch mit Gips oder Bronze arbeiten. Sie setzen Gips als Hilfsmittel ein, imitieren bronzene Materialoberflächen, beziehen sich in ihren bildhauerischen Werken explizit auf klassische Figuren/Epochen, und setzen sich mit Abformungen und der Vervielfältigung von Skulpturen auseinander.
BIRGIT FEIL kreiert aus Kunststoff oder Beton zeitgenössische Menschenbilder, wie sie uns täglich im Straßenbild begegnen. Grundlage hierfür sind Tonmodelle, deren Negativform die Künstlerin in Acrystal oder Beton ausgießt und später bemalt. Statt die Götter im Olymp repräsentieren ihre Figuren unser tägliches Umfeld.
YVONNE ROEB erstellt in aufwändigen handwerklichen Verfahren aus Materialien wie Gips, Kunststoff, Holz, Bauschaum, Metall, Wachs, Pigmente, Lack, Tinte, faszinierende Objekte, die an menschliche Körperteile, Tiere, Mineralien und Pflanzen erinnern. Ihre skulpturalen Kleinode inszeniert die Künstlerin auf eigens für die Ausstellung angefertigten Tischen. So können Besucher Roebs Plastiken aus verschiedensten Perspektiven erleben und sich in ihren komplexen, bildhauerischen, einer Wunderkammer gleichenden Kosmos hineinsehen.
ANNETTE MEINCKE-NAGYS Köpfe, Büsten, Sitzende und Stehende aus Papiermaché mit feiner, leicht sandiger Oberflächentextur ziehen aufgrund ihrer Attraktivität die Blicke der Betrachter an. Gleichzeitig umgibt diese Plastiken eine geheimnisvolle Aura, die mit einer gewissen Unnahbarkeit einhergeht. Der Anspruch der Künstlerin Allgemeingültigkeit und Schönheit zu visualisieren, weckt die Neugierde auf die eher introvertierten, überzeitlichen Persönlichkeiten.
SILVIA SCHREIBER fertigt Gipsabgüsse von Tonmodellen. Anstelle von Bronze oder Kunststoff formt sie diese mit angefeuchtetem, farbigem Japanpapier aus, die sie später zu ihren filigranen, Papierskulpturen verklebt. Den leichtgewichtigen Werken stellen wir die dazugehörigen Gipsformen in Gänze oder fragmentiert gegenüber und präsentieren bisher nicht ausgestellte Frühwerke.
CARO SUERKEMPER zeigt einen mit Gipselementen verzierten, an das Zeitalter des Rokoko erinnernden Kanonenofen und eine sichtbar schwangere, kniend Betende aus Bronze, die ein von der Künstlerin genähtes, knallgelbes ärmelloses Kleid trägt. Die Stille Jungfern I – IV, vier selbstvergessen, entrückte Tänzerinnen aus Bronze, lächeln verschmitzt und beseelt. Mit ihren freien Bewegungen stehen sie in der Tradition von Georg Kolbes Tänzerinnen und erinnern an Rudolf Alexander Agricolas (1912 -1990) Tänzerin, die im Garten des Hauses Beda steht.
Video der Ausstellung